Morgens, noch vor dem ersten Kaffee, steht es auf dem Handy: Ein Sänger ist gestorben. Sie haben ihn nie getroffen. Aber sein Lied lief auf Ihrer Hochzeit, und plötzlich sitzen Sie in der Küche und merken, dass Ihnen die Nachricht näher geht, als Sie erwartet hätten.
So ging es vielen Menschen im August, als Dolly Parton mit 80 Jahren in Nashville starb. An ihrem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame legten Fans Blumen nieder. Viele sind von der eigenen Reaktion überrascht, manche schämen sich sogar ein wenig dafür. Dabei gibt es gute Gründe, warum der Tod eines Menschen, den man nie getroffen hat, so nahegehen kann.
Jede Generation hat ihren Moment
Fragt man ältere Menschen, nennen viele Elvis Presley, John Lennon oder Lady Diana. Wer in den Achtzigern und Neunzigern jung war, erinnert sich an Freddie Mercury, Kurt Cobain, Falco oder Rio Reiser. Jüngere denken an Michael Jackson, Amy Winehouse oder Robin Williams.
Oft weiß man noch genau, wo man war, als die Nachricht kam. Welcher Tod einem im Gedächtnis bleibt, hängt vom Alter ab, von den eigenen Interessen und davon, was im eigenen Leben gerade los war.
Eine Beziehung, die nur in eine Richtung geht
Die Wissenschaft hat für diese Verbindung einen Namen. Die amerikanischen Soziologen Donald Horton und Richard Wohl beschrieben schon 1956 sogenannte parasoziale Beziehungen: einseitige Bindungen an Menschen, die von uns nichts wissen.
Wir kennen ihre Stimme, ihre Geschichten, manchmal Einzelheiten aus ihrem Privatleben. Wir holen sie uns über Musik, Filme, Bücher oder Podcasts ins Wohnzimmer, oft über viele Jahre. Sie wissen nichts von uns. Für unsere Seite der Beziehung spielt das kaum eine Rolle.
Deshalb ist die Trauer um einen Prominenten echt, auch ohne persönliche Bekanntschaft. Ähnliches erleben manche Menschen, wenn eine Lieblingsserie endet oder sich eine Band auflöst.
Wir trauern um Erinnerungen
Oft trauern wir weniger um die Person selbst als um das, wofür sie in unserem Leben stand. Das Lied, zu dem man zum ersten Mal getanzt hat. Die Serie, die einen durch eine schwere Zeit getragen hat. Die Stimme aus dem Radio in der Küche der Eltern.
Als 2016 Peter Lustig starb, trauerten viele Erwachsene, die ihn als Kinder in „Löwenzahn“ gesehen hatten. Mit ihm verbanden sie den blauen Bauwagen, die Latzhose und lange Nachmittage vor dem Fernseher. Mit seinem Tod war auch ein Stück der eigenen Kindheit endgültig vorbei.
Gemeinsam trauern, auch im Netz
Der Tod eines Prominenten wird selten allein betrauert. Menschen legen Blumen nieder, hören die alten Alben und schauen die Filme noch einmal. Wer diese Trauer mit anderen teilt, fühlt sich mit ihr weniger allein.
Heute geschieht vieles davon in sozialen Medien. Innerhalb weniger Minuten ist die Nachricht überall, und die Timeline füllt sich mit Nachrufen, Videos und Erinnerungen. Das kann verbinden. Für Menschen, die gerade selbst einen Angehörigen verloren haben, kann es aber auch zu viel werden. Dann hilft es, das Handy eine Weile wegzulegen oder bestimmte Begriffe stummzuschalten.
Besonders heikel ist die Berichterstattung, wenn sich ein Prominenter das Leben genommen hat. Der Deutsche Presserat verlangt dafür Zurückhaltung (Pressekodex, Richtlinie 8.7). Wenn Sie selbst an Suizid denken, erreichen Sie die TelefonSeelsorge rund um die Uhr kostenlos unter 0800 1110111. In Österreich hilft die Telefonseelsorge unter 142, in der Schweiz Die Dargebotene Hand unter 143.
Wenn eigene Trauer wieder hochkommt
Manchmal trifft die Nachricht einen wunden Punkt. Wer die eigene Mutter an Krebs verloren hat, reagiert vielleicht heftiger, wenn eine Schauspielerin an derselben Krankheit stirbt. Und wer mitten in der eigenen Trauer steckt, hat ohnehin weniger Kraft. Dann wirkt der Tod eines Fremden wie ein Echo des eigenen Verlusts.
Auch die eigene Sterblichkeit rückt näher, wenn jemand stirbt, der einen ein Leben lang begleitet hat. Manche fragen sich dann, wo sie selbst stehen und was von ihnen bleiben soll. Das ist nicht angenehm. Es kann aber ein Anlass sein, mit Angehörigen über eigene Wünsche für das Lebensende zu sprechen oder eine Patientenverfügung aufzusetzen.
Es gibt keine richtige Reaktion
Manche Menschen sind nach dem Tod eines Stars tagelang traurig. Andere lässt die Nachricht kalt. Beides ist in Ordnung, und niemand muss seine Gefühle rechtfertigen.
Wer merkt, dass ihm der Verlust nachgeht, kann ihm Raum geben. Das Album noch einmal auflegen. Den Film mit der Tochter schauen. Die Schwester anrufen, die damals mit auf dem Konzert war.




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